
Der Schweizer Nahrungsmittel- und Getränkekonzern Nestlé hat einen groß angelegten Rückruf von Babynahrungsprodukten in mehreren europäischen Ländern
angekündigt. Es handelt sich dabei offenbar um eine der umfangreichsten Rückrufaktionen in der Unternehmensgeschichte.
Betroffen sind ausgewählte Chargen von Säuglingsnahrung und Spezialprodukten für besondere medizinische Zwecke, darunter die bekannte Marke Beba sowie Produkte wie Alfamino. Nestlé teilte mit, dass die Erzeugnisse möglicherweise mit Cereulid verunreinigt sein könnten – einem Toxin, das Lebensmittelvergiftungen mit Übelkeit und Erbrechen verursachen kann.
Eltern werden aufgefordert, die betroffenen Produkte nicht mehr zu verwenden und in den Verkaufsstellen zurückzugeben. Der Rückruf betrifft Waren, die unter anderem in Deutschland, Italien, Österreich, Spanien, Dänemark, Schweden und Finnland verkauft wurden. Nestlé veröffentlichte in den jeweiligen Ländern öffentliche Hinweise mit detaillierten Listen der betroffenen Chargen. Bislang sind keine Krankheitsfälle im Zusammenhang mit dem Verzehr der Produkte bekannt.
Österreichische Behörden hatten bei Routinekontrollen in zwei Chargen geringe Mengen Cereulid festgestellt. Nach Angaben des Gesundheitsministeriums sind die gemessenen Konzentrationen jedoch so niedrig, dass keine Gesundheitsgefahr besteht.
Nach Angaben der österreichischen Behörden umfasst der Rückruf mehr als 800 Produkte aus über zehn Fabriken weltweit. Ursache sei ein technischer Reinigungsfehler bei einem Zulieferer gewesen, der im Dezember zur Verunreinigung einer Zutat geführt habe.
Nestlé hatte die betroffenen Produkte bereits während der Weihnachtsfeiertage im Rahmen eines sogenannten „stillen Rückrufs“ aus den Regalen nehmen lassen. Am Montag wurde der öffentliche Rückruf offiziell eingeleitet. Bereits Mitte Dezember hatte der Konzern vorbeugende Rückrufe von Säuglingsnahrung in mehreren europäischen Ländern, darunter Frankreich, Finnland und Dänemark, angekündigt.
Analysten der Helvetischen Bank bezeichneten den Vorfall als „unglücklich“, stuften ihn jedoch nicht als schwerwiegend ein. Das Problem gelte als operativ gelöst und aus regulatorischer, reputationsbezogener und risikotechnischer Sicht als beherrschbar.
An der Zürcher Börse verloren Nestlé-Aktien am Nachmittag mehr als zwei Prozent. Auf Zwölfmonatssicht liegt die Aktie weiterhin rund drei Prozent im Plus, während sie über fünf Jahre hinweg 24 Prozent an Wert eingebüßt hat. Foto- Heimoh, Wikimedia commons.
