
Der temporäre Schutz für Menschen, die vor dem Krieg in der Ukraine fliehen, ist in der Europäischen Union im November 2025 weiter gewachsen. Zum Monatsende
standen 4,33 Millionen Nicht-EU-Bürgerinnen und -Bürger unter diesem Schutzstatus – 30 615 mehr als im Oktober (+0,7%). Die Zahlen verdeutlichen die anhaltenden Folgen des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine, fast vier Jahre nach dessen Beginn.
Deutschland, Polen und Tschechien nehmen die meisten Geflüchteten auf
Deutschland blieb das wichtigste Aufnahmeland mit 1,24 Millionen Schutzberechtigten, was fast 29 % des EU-Gesamtwerts entspricht. Polen folgte mit 968 750 Personen (22,4 %), während Tschechien 392 670 Menschen beherbergte, rund 9 % aller Begünstigten.
Von den 26 EU-Ländern mit verfügbaren Daten verzeichneten 21 einen Anstieg der Zahl der unter temporärem Schutz stehenden Personen im November. Die größten absoluten Zuwächse gab es in:
-Deutschland: +11 040 Personen (+0,9 %)
-Polen: +3 745 (+0,4 %)
-Spanien: +2 810 (+1,1 %)
Fünf Länder meldeten Rückgänge, am stärksten Frankreich (-870 Personen, -1,6 %) und Litauen (-575, -1,1 %).
Deutlich weniger neue Schutzentscheidungen
Die Zahl der neu gewährten Schutzentscheidungen ging spürbar zurück. Im November 2025 wurden EU-weit 53 735 neue Entscheidungen getroffen – 32,5 % weniger als im September und 27,8 % weniger als im Oktober. Damit kehrte das Niveau auf den Stand vor dem ukrainischen Regierungsdekret Ende August 2025 zurück, das Männern im Alter von 18 bis 22 Jahren vorübergehend die uneingeschränkte Ausreise erlaubte.
Hohe Belastung pro Kopf in Mitteleuropa
Gemessen an der Bevölkerungszahl ist die Belastung weiterhin besonders hoch in Mitteleuropa. Die höchsten Quoten von Schutzberechtigten je 1 000 Einwohner wurden verzeichnet in:
- Tschechien: 36,0
- Polen: 26,5
- Slowakei: 25,7
Der EU-Durchschnitt lag bei 9,6 pro 1 000 Einwohner.
Frauen und Kinder stellen die Mehrheit
Zum 30. November 2025 stellten ukrainische Staatsangehörige mehr als 98,4 % aller Personen unter temporärem Schutz in der EU. Die demografische Verteilung zeigt, dass vor allem Familien betroffen sind:
- Erwachsene Frauen: 43,6 %
- Minderjährige: 30,7 %
- Erwachsene Männer: 25,7 %
Schutz bis 2027 verlängert
Die Daten basieren auf der EU-Richtlinie zum temporären Schutz, die mit der Durchführungsentscheidung des Rates 2022/382 im März 2022 aktiviert wurde. Angesichts der anhaltenden Krise beschloss der **Europäische Rat am 13. Juni 2025, den temporären Schutz um ein weiteres Jahr zu verlängern – vom 4. März 2026 bis zum 4. März 2027.
Die Verlängerung sichert Millionen von Ukrainerinnen und Ukrainern weiterhin rechtlichen Schutz sowie Zugang zu Wohnraum, Bildung und dem Arbeitsmarkt, solange eine Rückkehr in ihr Heimatland nicht möglich ist.
