Österreich

 

Ultrarare Mahzor aus dem 15. Jahrhundert mit lebendigen mittelalterlichen Illustrationen

Ein kunstvoll illuminierter jüdischer Gebetband aus dem 15. Jahrhundert, einst im Besitz der Bankiersfamilie Rothschild, soll im kommenden Februar in New York für bis zu 5,2 Millionen Pfund (7 Millionen US-Dollar) versteigert werden.

Das Manuskript – bekannt als Rothschild Vienna Mahzor – wurde 1415 fertiggestellt und zeichnet sich durch bemerkenswert gut erhaltene Pigmente aus, von Zinnoberrot bis Lapislazuli-Blau, die mehr als sechs Jahrhunderte nach ihrer Auftragung noch kräftig leuchten. Die Seiten zeigen aufwendige Darstellungen von Menschen, Löwen, Vögeln und filigranen gotischen Ornamenten.

Der Mahzor enthält hebräische Gebete für Rosch Haschana und Jom Kippur, die hohen jüdischen Feiertage. Experten gehen davon aus, dass er in Wien zusammengestellt wurde, und die außergewöhnliche Qualität deutet darauf hin, dass er für die gemeinschaftliche Nutzung und nicht für private Andacht gedacht war.

Nur etwa 20 illustrierte jüdische Gebetbücher dieser Art sind erhalten, deren Tradition im 13. Jahrhundert in Süddeutschland wurzelt. Lediglich drei befinden sich noch in Privatbesitz, darunter dieses Exemplar. Ein weiteres, der Luzzatto High Holiday Mahzor, wurde 2021 bei Sotheby’s für 8,3 Millionen US-Dollar verkauft.

Die Provenienz des Rothschild-Mahzors führt zurück zu Salomon Mayer Rothschild, der ihn 1842 in Nürnberg für 151 Goldmünzen als Geschenk für seinen Sohn Anselm Salomon erwarb. Eine illuminierte Titelblattseite mit dem baronialen Wappen der Familie dokumentiert die Besitzgeschichte, die über mehrere Generationen fortgesetzt wurde.

Sein Schicksal änderte sich abrupt nach dem Nazi-Anschluss Österreichs 1938. Nur wenige Tage nach der Invasion wurde der Rothschild-Palais in Wien beschlagnahmt und die Sammlungen konfisziert. Das Gebetbuch gelangte in die Österreichische Nationalbibliothek, wo es jahrzehntelang blieb.

Seine Bedeutung trat erst wieder zutage, nachdem 1998 in Österreich ein Gesetz zur Rückgabe von Nazi-Raubkunst erlassen wurde. Wissenschaftler des Zentrums für Jüdische Kunst identifizierten das Rothschild-Wappen, wodurch das Manuskript der Familie formal restituiert werden konnte. In einer Erklärung sagten die Nachkommen von Alphonse Rothschild, die Rückgabe sei „ein kleiner Schritt zur Schließung eines Schmerzes, der sich über Generationen erstreckt“.

Der Mahzor wird vom 11. bis 16. Dezember im neuen globalen Hauptsitz von Sotheby’s im Breuer-Gebäude in New York ausgestellt, bevor er im Januar nach Los Angeles reist. Zur Masters Week kehrt er nach New York zurück, um kurz vor der Auktion am 5. Februar gezeigt zu werden. Foto via Sotheby’s.