
Sonderausstellung „Claude Lanzmann: The Recordings“ vom 27. November 2025 bis 12. April 2026 / Lanzmann-Archiv ab 28. November online verfügbar.
Berlin – Anlässlich des 100. Geburtstags von Claude Lanzmann (1925–2018), dem renommierten französischen Journalisten, Filmemacher und Chronisten des Holocaust, macht das Jüdische Museum Berlin erstmals sein umfangreiches Audio-Archiv öffentlich zugänglich. Die Tonaufnahmen, die überwiegend in den 1970er-Jahren entstanden, stehen ab dem 28. November 2025 über die Plattform Oral-History.Digital der Freien Universität Berlin online zur Verfügung.
Die Eröffnung der Sonderausstellung „Claude Lanzmann: The Recordings“ fällt mit der Veröffentlichung des Archivs zusammen. Im Mittelpunkt der Ausstellung stehen ausgewählte Tonaufnahmen, die durch Objekte, Dokumente und Filmaufnahmen ergänzt werden. Zum ersten Mal können Besucher:innen so direkt Einblick in das Audio-Archiv zu Lanzmanns weltberühmtem Dokumentarfilm „Shoah“ (1985) nehmen.
Das Archiv: 152 Kassetten, 220 Stunden Material
Das Audio-Archiv umfasst 152 Kassetten mit insgesamt rund 220 Stunden Material in acht Sprachen. Vor den Dreharbeiten zu Shoah führte Lanzmann gemeinsam mit seinen Assistentinnen Corinna Coulmas und Irena Steinfeldt-Levy zahlreiche Vorinterviews durch. Diese Aufnahmen wurden 2021 vom Verein Claude et Felix Lanzmann an das Jüdische Museum Berlin übergeben, digitalisiert und transkribiert. Zusammen mit dem Film Shoah wurden die Bestände 2023 in das UNESCO-Register Memory of the World aufgenommen – ein Zeugnis von international herausragender Bedeutung.
Die Online-Veröffentlichung erfolgt schrittweise: Die ersten 26 Interviews sind bereits abrufbar, bis Ende 2027 sollen alle Aufnahmen verfügbar sein.
Eine besondere akustische Erfahrung
In der Ausstellung können Besucher:innen etwa 90 Minuten Tonmaterial über Kopfhörer erleben. Dabei werden unterschiedliche Aspekte von Lanzmanns Arbeit hörbar: Interviews, in denen er sein Filmprojekt erklärt, seine Methoden und Motivationen beschreibt und die psychologischen wie finanziellen Herausforderungen beleuchtet. Auch bislang ungehörte Stimmen – von Menschen, die Lanzmann nicht für Interviews gewinnen konnte – sind zu hören.
Weitere Ausstellungsbereiche beschäftigen sich mit Interviews mit Holocaust-Tätern, der Shoah in Litauen, Lanzmanns erster Reise nach Auschwitz sowie einem Vergleich zwischen den fertigen Filmszenen und dem umfangreichen Rohmaterial. So vermittelt die Ausstellung die intensive Recherchearbeit, die *Shoah* zugrunde liegt.
Forschungskooperation mit der Freien Universität Berlin
Das Oral-History.Digital-Projekt wird von der Universitätsbibliothek der Freien Universität Berlin betreut. Es begleitet das Jüdische Museum bei der Erstellung und Veröffentlichung der Lanzmann-Collection und sorgt dafür, dass die digitalisierten Interviews dauerhaft gemäß den F.A.I.R.-Prinzipien verfügbar sind: auffindbar, zugänglich, interoperabel und wiederverwendbar. Tablets in der Ausstellung ermöglichen direkten Zugriff auf die Plattform, die eine umfassende Suche, Ansicht von Transkripten und Quellen sowie Annotationen erlaubt.
Die Oral-History.Digital-Plattform
Gefördert von der Deutschen Forschungsgemeinschaft, bietet Oral-History.Digital eine Plattform für Audio- und Video-Interviews mit Zeitzeug:innen aus verschiedenen historischen Kontexten. Museen, Universitäten und Stiftungen können ihre Bestände hochladen, mit Transkripten ergänzen und für Bildung und Forschung zugänglich machen. Aktuell umfasst die Plattform rund 4.500 Interviews aus über 200 Sammlungen, darunter Archive zur Zwangsarbeit 1939–1945, „Erlebte Geschichte“ der Freien Universität Berlin, „Deutsches Gedächtnis“ der FernUniversität Hagen sowie das Flossenbürg-KZ-Mahnmal-Archiv. Etwa 50 Institutionen nutzen die Plattform derzeit. Foto- torinberl, Wikimedia commons.
